Favorit der letzte “echte” Skoda

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Skoda Favorit Typ 781 1987-1994, Forman Typ 785 1990-1994 & Pick-Up Typ 787 1991-1995

Für viele an historischen Skodafahrzeugen Interessierte endet die Epoche der „richtigen Skodas“ mit dem Ende der Ära der Heckmotorautos. Betrachtet man aber die Geschichte des Skoda Favorit, so stellt sich schnell heraus, dass er ein typisches Produkt dieser Firma und vor allem symbolisch für die Verhältnisse der CSSR in seiner Entstehungszeit ist.
Seit vielen Jahren beschäftigten sich die Techniker von Skoda immer wieder mit der Entwicklung von Prototypen mit unterschiedlichsten Antriebskonzepten und neuen Motoren, doch die politische Führung der CSSR sah keine Notwendigkeit sich vom bewährten, aber doch schon etwas antiquierten Heckmotorkonzept zu verabschieden. Zu hoch wären die Kosten gewesen um die Produktion umzustellen, zu unflexibel waren die Zulieferer.
Die CSSR lukrierte einen nicht unwesentlichen Teil ihrer Devisen aus dem Export von Skoda-Autos. Auf den westlichen Märkten ging die Nachfrage allerdings zusehends zurück. Wirklich unter Zugzwang kam die Führung der CSSR erst durch die Ankündigung verschärfter Abgasvorschriften in Westeuropa, was faktisch zum Wegbrechen dieses Exportmarktes geführt hätte.
Im Jahre 1982 entstand der Beschluss des Zentralkomitees, dass bis spätestens 1987 ein völlig neuer Typ in Produktion gehen sollte. Dies bedeutete für Skoda und die ganze an der Automobilproduktion hängende Industrie und Entwicklungsanstalten, dass mit dem Auftrag, der erst 1983 offiziell an Skoda ging, eine nie da gewesene Kraftanstrengung.
Ing. Petr Hrdlicka wurde mit der Gesamtleitung des Projektes betraut. Mit welchen Problemen die Firma kämpfen musste, verdeutlicht die Tatsache, dass Skoda über keine eigene Designabteilung verfügte und daher für die Gestaltung des Blechkleides, ein Prozess der Hand in Hand mit der technischen Entwicklung und dem Bau von Prototypen geht, einen Partner finden musste, der auch einverstanden war in so kurzer Zeit dieses Vorhaben zu realisieren. Beim Genfer Autosalon 1983 wurde in Nucio Bertone der richtige Partner gefunden.
Die Probleme und Einschränkungen, die sich für alle Beteiligten ergaben sei nur am Beispiel der Scheinwerfer erläutert, ein Umstand, der auf viele andere Komponenten der Zulieferer ebenfalls zutrifft und für die Gestalt und Qualität des neuen Wagens entscheiden war. So konnte der letztendlich verwendete Scheinwerfer zur Erlangung einer ausreichenden Lichtausbeute in der CSSR nicht kleiner hergestellt werden, daher ergab sich zwangsweise eine viel kantigere Linienführung als ursprünglich geplant.
Ende 1983 gab es schon ein Gipsmodell in 1:1. So konnte Skoda das Unerwartete möglich machen und schaffte es in einem halben Jahr die gesamten technischen Komponenten zu entwickeln, so dass Bertone im August 1984 den ersten Prototypen herstellen konnte.
Erstmals bei Skoda wurden eigens Testreihen entwickelt, die den Verschleiß von Teilen simulieren konnten und so zu einer Verbesserung und Abstimmung in der Produktion führten. Noch nie wurde ein Skoda so genau getestet und analysiert, bevor er in die Serienproduktion ging.
Um die Entwicklung nicht zunichte zu machen bevor sie überhaupt abgeschlossen war, konnten die Techniker von Skoda das Schlimmste abwenden: den alten Motor in den neuen Wagen einzubauen. Geld für eine komplette Neuentwicklung war natürlich nicht da, daher entschloss man sich den Motor zu verbessern um Lebensdauer und Abgaswerte zu optimieren.
Der Motor wurde für eine Laufleistung von 250.000 km ausgelegt und erhielt unter anderem einen Aluminium-Zylinderkopf, neue Ventilsitze um mit bleifreiem Benzin betrieben werden zu können und einen neuen Vergaser Typ Jikov 28-30 LEKR. Der so entstandene Ursprungsmotor im Favorit 136 bot bei 1289 cm³ und einer Verdichtung von 9,7 eine Leistung von 46 kW bei 5000/min.
1987 wurde der Wagen offiziell auf der Messe in Brünn präsentiert, wenn auch etwas verfrüht, denn 1988 wurden nur etwas mehr als 21.000 Stück gefertigt.
1990 gesellte sich zum Favorit auch die Combiversion des Forman und ab 1991 wurde die Palette um ein Pick-Up Modell erweitert.
Insgesamt wurden vom Modell Favorit, Forman und Pick-Up bis 1995 1.073.215 Stück gefertigt.
Bis 1995 wurde der Wagen im Design und technisch immer wieder verändert, so erhielten die Modelle ab 1993 alle eine Einspritzung mit geregeltem Katalysator.

Text und Fotos: Wolfgang Kramer

Quelle: Petr Kozísek & Jan Králík, L&K-Skoda, Teil 2 Der Flug des geflügelten Pfeils (1945-2003), Moto Public